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Bücherstapel Abschlussprüfung ZAG

Die Abschlussprüfung

Drei Jahre Ausbildung neigen sich dem Ende entgegen – vielleicht sind es auch weniger, wenn du dir überlegt hast, die Ausbildung zu verkürzen. Dann aber geht es an einem Tag im großen Abschlusstest deiner Kenntnisse und Fertigkeiten um alles, was du dir in den Ausbildungsjahren angeeignet hast. Es ist der wichtigste und vor allem auch einer der emotionalsten Tage in deiner Ausbildungszeit. Um dir ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen, zeigen wir dir, welche Unterschiede es bei den Abschlussprüfungen der verschiedenen Ausbildungsberufe gibt, wann dich eine Zwischenprüfung erwartet und was es genau mit einer gestreckten Abschlussprüfung auf sich hat. So bist du optimal vorbereitet!

 

Was ist eine Abschlussprüfung?

Die Abschlussprüfung soll aufzeigen, dass du all das verinnerlichen konntest, was du während deiner Ausbildung gelernt hast. Sie schließt deine Berufsausbildung offiziell ab. Viel wichtiger ist aber für den Betrieb zu wissen, dass du das theoretische sowie praktische Know-how auch verstanden hast und in die Praxis umsetzen kannst. Du darfst nur in deinem Beruf durchstarten, wenn du eine bestandene Prüfung vorweisen kannst. Während der Abschlussprüfung werden dir unterschiedliche Aufgaben gestellt, die du zu bearbeiten hast – egal ob schriftlich, mündlich oder am Computer. Am Ende wird deine Leistung von einem Prüfungsausschuss bewertet.


Arten der Abschlussprüfung

Vor dem Inkrafttreten des Berufsbildungsgesetzes vom 23. März 2005 gab es in Deutschland lediglich die klassische Prüfungsstruktur mit Zwischenprüfung und Abschlussprüfung. In einigen Ausbildungsberufen wurde seitdem die sogenannte gestreckte Abschlussprüfung eingeführt. Hier fällt zwar die Zwischenprüfung für dich als Auszubildender komplett weg, du hast aber weiterhin eine Prüfung zu absolvieren, die in zwei Teilen erfolgt.

 

Klassische Abschlussprüfung mit Zwischenprüfung

Bei einer dreijährigen Ausbildung mit klassischer Abschlussprüfung gibt es Mitte des zweiten Ausbildungsjahres (Frühjahr) eine Zwischenprüfung, in der Inhalte der praktischen sowie der theoretischen Berufsausbildung in der Berufsschule abgefragt werden. Diese musst du nicht bestehen, zeigt aber dem Ausbilder und auch dir selbst, ob du das Ausbildungsziel bis zu diesem Zeitpunkt erreicht hast oder eben nicht. Sie fließt nicht in das Endergebnis deiner Abschlussprüfung ein. Die Teilnahme ist für dich verpflichtend und ist Voraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung. Solltest du die Zwischenprüfung mit sehr guten Noten bestehen, hast du zusätzlich die Möglichkeit, deine Ausbildung zu verkürzen. Die Abschlussprüfung findet am Ende deiner Ausbildungszeit statt und wird durch ein Abschlusszeugnis abgeschlossen.

 

Gestreckte Abschlussprüfung

Nach der Reformation des Berufsbildungsgesetzes im Jahr 2005 legen heute viel mehr Azubis eine gestreckte Abschlussprüfung statt eine klassische Abschlussprüfung mit Zwischenprüfung ab. Hier entfällt für dich die Zwischenprüfung komplett. Du musst aber zur Mitte des zweiten Lehrjahres den ersten von insgesamt zwei Teilen der Prüfung in Form einer Abfrage der Grundqualifikationen ablegen. Der zweite Teil der gestreckten Abschlussprüfung ist auf das Ende deiner Ausbildung datiert und konzentriert sich insbesondere auf die prozessrelevanten Qualifikationen. Die Themengebiete zu beiden Teilen und weitere Informationen zu den Prüfungen erhältst du frühzeitig in der Berufsschule oder in Form einer Prüfungsordnung mitgeteilt.

 

Anmeldung zur Abschlussprüfung

Bei Abschlussprüfungen sind die Anmeldeverfahren der verschiedenen Berufsgruppen und zuständigen Kammern unterschiedlich festgelegt. Sind die Daten zur Prüfung bekannt, werden diese in den Mitteilungsblättern der Kammern veröffentlicht und der ausbildende Betrieb muss dich nach deiner Zustimmung zur Prüfung anmelden. Dies erfolgt in der Regel in schriftlicher Form (über ein Formular) ungefähr 4-6 Wochen vor Anmeldefrist. Diese Frist muss eingehalten werden, sonst ist deine Teilnahme an der Prüfung nicht möglich.


Beachte, dass du nur an der Abschlussprüfung teilnehmen kannst, wenn du auch die Zulassung dazu hast. Hier gibt es vier unterschiedliche Zulassungsformen:


• Regelfall
• Zulassung ohne Ausbildung (aufgrund vorangegangener beruflicher Tätigkeiten)
• Vorzeitige Zulassung
• Zulassung von schulisch Ausgebildeten


Ablauf der Abschlussprüfung

Einen allgemeingültigen Ablauf einer Abschlussprüfung gibt es nicht. Jeder Ausbildungsberuf hat unterschiedliche Inhalte, Prüfungsdauern und Anforderungen. Alle Prüfungen erstrecken sich aber auf die im Ausbildungsrahmenplan der Ausbildungsordnung genannten Kenntnisse und Fertigkeiten sowie auf den Lehrstoff, den du in deiner Berufsschule erlernt hast.


Das 100-Punkte Prinzip

Alle unsere Ausbildungsberufe haben das 100-Punkte Prinzip gemeinsam. In jedem Prüfungsfach jeder Abschlussprüfung können bis zu 100 Punkte erreicht werden, wobei folgender Notenschlüssel zugrunde gelegt ist:

 

100 bis 92 Punkte: Note 1 - sehr gut

unter 92 bis 81 Punkte: Note 2 - gut

unter 81 bis 67 Punkte: Note 3 - befriedigend

unter 67 bis 50 Punkte: Note 4 - ausreichend

unter 50 bis 30 Punkte: Note 5 - mangelhaft

unter 30 bis 0 Punkte: Note 6 - ungenügend

 

Wir möchten dir nun für unsere Ausbildungsberufe aufzeigen, welche Art der Prüfung dich erwartet, wie die Prüfung ungefähr strukturiert ist, sich die Bewertung zusammensetzt und in welchem Falle du bestehst bzw. nicht bestehst.

 

Personaldienstleistungskaufmann /-frau

Art der Abschlussprüfung: Klassisch (mit Zwischenprüfung)
Die Abschlussprüfung zur Personaldienstleistungskauffrau (m/w/d) besteht aus vier Prüfungsbereichen und wird klassisch mit einer vorherigen Zwischenprüfung durchgeführt.
Alle Prüfungsbereiche werden schriftlich geprüft. In zwei Bereichen findet jeweils ein fallbezogenes Fachgespräch statt. In jedem der vier Prüfungsbereiche gibt es 100 Punkte zu erreichen. Die Abschlussprüfung gilt als bestanden, wenn sie mindestens mit „ausreichend“ im Gesamtergebnis bewertet worden ist. Solltest du in einem Bereich ein „ungenügend“ aufweisen, gilt die Abschlussprüfung als nicht bestanden – du kannst diesen Bereich also nicht mit einem anderen Bereich ausgleichen.


Kaufmann/-frau für Büromanagement

Art der Abschlussprüfung: Gestreckt (mit Teil 1 & Teil 2)
In der Abschlussprüfung zur Kauffrau für Büromanagement (m/w/d) werden vier Prüfungsbereiche abgefragt, die sich auf zwei Teile aufgliedern. Der erste Teil (Bereich 1) deiner gestreckten Abschlussprüfung wird am Computer durchgeführt. Der zweite Teil wird schriftlich (Bereich 2 & 3) sowie mündlich (Bereich 4) geprüft, indem du je Prüfungsbereich 100 Punkte erzielen kannst. Die Prüfung gilt als bestanden, wenn mindestens ausreichende Leistungen im Gesamtergebnis und keine ungenügenden Leistungen im zweiten Teil vorliegen. Weiterhin müssen im Ergebnis vom zweiten Teil und in mindestens zwei der Prüfungsbereiche des zweiten Teils ausreichende Leistungen erbracht werden.

 

Kaufmann/-frau für Marketingkommunikation

Art der Abschlussprüfung: Klassisch (mit Zwischenprüfung)
In der Abschlussprüfung zur Kauffrau für Marketingkommunikation (m/w/d) erwarten dich vier Prüfungsfächer. Die ersten drei werden schriftlich und das vierte mündlich geprüft. Im Rahmen eines Fachgesprächs musst du aufweisen, dass du Aufgabenstellungen analysieren kannst. Dies geschieht mit einer vorher dir gestellten praxisbezogenen Aufgabe. 100 Punkte können in jedem Prüfungsfach erreicht werden. Die Prüfung gilt als nicht bestanden, wenn du in einem Fach ein „ungenügend“ und in zwei der drei schriftlichen Fächer oder im fallbezogenen Fachgespräch schlechter als „ausreichend“ bewertet worden bist.

 

Kaufmann/-frau für Dialogmarketing

Art der Abschlussprüfung: Klassisch (mit Zwischenprüfung)
Die Abschlussprüfung zur Kauffrau für Dialogmarketing (m/w/d) besteht aus vier Prüfungsbereichen. Neben drei schriftlichen Prüfungsbereichen führst du im vierten Bereich ein fallbezogenes Fachgespräch – dieses findet mündlich statt und soll aufzeigen, dass du Gespräche mit Auftraggebern systematisch führen, zielgruppenorientiert kommunizieren und Gesprächsführungstechniken situationsbezogen anwenden kannst. Weiterhin musst du nachweisen, dass du Aufgabenstellungen analysieren, Zielsetzungen erkennen, Aspekte des Marketings berücksichtigen und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge erläutern kannst. Die Prüfung ist bestanden, wenn du in keinem Fach ein „ungenügend“ und in mindestens drei der vier Prüfungsbereiche kein „mangelhaft“ oder schlechter aufweisen kannst.

 

Fachinformatiker für Systemintegration

Art der Abschlussprüfung: Klassisch (mit Zwischenprüfung)
In der Abschlussprüfung zum Fachinformatiker für Systemintegration (m/w/d) erwarten dich fünf Prüfungsbereiche, die jeweils in zwei Prüfungsteile gegliedert sind – zwei davon in Teil A und drei in Teil B. Die Art der Prüfung erfolgt schriftlich sowie mündlich. Der mündliche Teil wird in Form einer Präsentation und einem Fachgespräch von höchstens 30 Min. durchgeführt. In einem Projekt musst du ein Problem sowie das dazugehörige Lösungskonzept erörtern und darstellen. Zusätzlich ist es dein Ziel, den fachlichen Hintergrund aufzuzeigen und deine Vorgehensweise zu begründen. Dieser Bereich fließt zu 50% in das Gesamtergebnis des Prüfungsteils A ein. Die Prüfung hast du bestanden, wenn du in keinem Prüfungsbereich ein „ungenügend“ vorweist und in den Prüfungsbereichen A und B jeweils mindestens 50 Punkte erreichst.

 

Mündliche Ergänzungsprüfung

Solltest du in einem Prüfungsfach/ -bereich schlechter als „ausreichend“ bewertet worden sein und wäre das Bestehen der Prüfung durch eine Verbesserung eines Faches möglich, kannst du eine mündliche Ergänzungsprüfung per Formular beantragen. Oftmals kannst du nur einen bestimmten Bereich mit einer mündlichen Ergänzungsprüfung ausgleichen. In der Regel dauert diese Art der Prüfung 15 Minuten und wird vom Prüfungsausschuss durchgeführt. Dir werden Fragen gestellt, die sich auf den in der Ausbildungsordnung für dieses Prüfungsfach vorgesehenen Inhalt beziehen. Die Bewertung erfolgt ähnlich wie in der Abschlussprüfung nach dem 100-Punkte Prinzip. Die Berechnung des Endergebnisses ist in jedem Ausbildungsberuf gleich: Die Ergebnisse der schriftlichen Arbeit und der mündlichen Ergänzungsprüfung werden im Verhältnis zwei zu eins gewichtet.

 

Nicht bestanden – und nun?

Es kann natürlich vorkommen, dass du deine Abschlussprüfung beim ersten Versuch nicht erfolgreich bestehst. In diesem Fall hast du nach den Regelungen von §37 Abs. 1 Satz 2 BBiG die Möglichkeit, die Prüfung zu wiederholen.
Der Ausbildungsbetrieb ist dazu verpflichtet, dich bei einer nicht bestandenen Prüfung weiter zu beschäftigen – sofern du die Ausbildung bis zum Bestehen der Abschlussprüfung fortsetzen möchtest. Diese Beschäftigungspflicht besteht jedoch höchstens ein Jahr. Damit du an einer Wiederholungsprüfung teilnehmen kannst, musst du gemeinsam mit deinem Ausbilder den Antrag auf Verlängerung ausfüllen und diesen bei der zuständigen Handelskammer einreichen. Bestehst du in dem einen Jahr der Beschäftigungspflicht die Prüfung nicht, kannst du auch als externer Teilnehmer an der Abschlussprüfung teilnehmen. Denke aber daran, dass du in diesem Fall die Prüfungskosten selbst tragen musst. Die Anmeldung erfolgt auch hier direkt über die zuständige Handelskammer, damit du für den nächsten Prüfungstermin mit eingeplant werden kannst. Die passenden Formulare kannst du dir auf der Website der jeweiligen Handelskammer herunterladen.